Der Peccia-Marmor

Das Valle Maggia ist eines der schönsten, grössten, abwechslungsreichsten und meistbesuchten Täler des Tessins. Es gilt als wichtiges Erholungsgebiet und Naturreservat. Die Gegend hinterlässt einen wildromantischen Eindruck bei seinen Besuchern und Bewohnern. Umgeben von majestätischen, ehrfurcht-gebietenden und tälertrennenden Granit- und Gneisformationen, die sich während der Alpenauffaltung vor Urzeiten auftürmten, finden wir wie ein kleines Wunder oder eine geologische Überraschung das Marmorvorkommen von Peccia.

Dies ist eine gewaltige Massierung von Kalkformationen, im Auffaltungsprozess des Zentralalpenmassivs unter Druck geraten und durch die damit entstandene Hitze auskristallisiert. Im Jahre 1946 wurde der Steinbruch am Fusse der "Punta della Rossa" eröffnet und liefert bis zu 621 m³ Material jedes Jahr für die unterschiedlichsten Belange; vom Fussbodenbelag über die Marmorfassade bis hin zu Innenausbauten und nicht zuletzt für die vielfältigen bildhauerischen Kreationen.

Der Peccia-Marmor oder "Cristallina Marmor" ist der einzige in der Schweiz abgebaute Marmor; das Vorkommen ist so gewaltig, dass es für die nächsten paar tausend Jahre noch möglich ist, die Menschheit mit diesem hochqualitativen und schönen Material zu versorgen.

Marmor dient seit der griechischen Kultur als "das Material" für die Darstellung göttlicher und menschlicher Figuren, die Errichtung mächtiger Säulentempel und anderer Bauwerke. Diese Bedeutung zieht sich durch die Kunstgeschichte bis hin zur modernen Architektur und Skulptur unserer Zeit. Wenn alle anderen Materialien, auch nicht edle heute umso "kunstfähiger" sind, hat die Steinbildhauerei doch immer ihren Platz bestätigen können. Sie ist und bleibt die älteste Kulturform der Menschheit, und vielleicht gerade deswegen ist sie vielen Menschen so nah.

Pizzo Castello von Peccia aus gesehen. Der Marmor ist in der Gipfelregion als helle Bänderung erkennbar.
Heutiger Marmor mit Kalzitkristallen
Heutiger Marmor mit Kalzitkristallen